Klimaschutz gemeinsam gestalten
Dr. Oliver Foltin
19. Februar 2026 um 10:44:24
Der zweite Fortschrittsbericht zur EKD-Klimaschutzrichtlinie
Klimaschutz ist für die evangelische Kirche mehr als nur ein programmatisches Ziel. Er ist Teil kirchlicher Verantwortung und Ausdruck gelebter Schöpfungsverantwortung. Mit dem zweiten Fortschrittsbericht (Klimabericht 2025) zur EKD-Klimaschutzrichtlinie liegt nun ein Instrument vor, das diese Verantwortung greifbarer macht.
Der bei der EKD-Synode (Beschluss „12. Klimaschutz konsequent fortsetzen, Maßnahmen im Gebäudebereich intensivieren“) im November 2025 in Dresden vorgestellte Klimabericht zeigt, wo die Landeskirchen und die EKD auf dem Weg zur angestrebten Treibhausgasneutralität 2045 stehen, welche Fortschritte erreicht wurden und welche Aufgaben in den kommenden Jahren weiterverfolgt werden müssen, um das Zwischenziel der 90%igen Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2035 zu erreichen.
Der Klimabericht 2025 verbindet hierzu die systematische Erfassung von Treibhausgasemissionen (Teil 1) mit einem Monitoring zentraler Klimaschutzprozesse (Teil 2) in den Landeskirchen und schafft damit entsprechende Transparenz. Zwar lässt sich aus der erstmaligen Datenerhebung noch kein Trend bei den Treibhausgasemissionen ableiten, doch es wird deutlich, dass der Gebäudebereich die größte Herausforderung auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität bleibt und in den kommenden Jahren entschlossenes Handeln erfordert.
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Erarbeitet wurde der Bericht, der sich in zwei Teile gliedert, von der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) in enger Zusammenarbeit mit den Landeskirchen und dem Kirchenamt der EKD. Besonders hervorzuheben ist, dass sich erneut alle Landeskirchen an der zugrunde liegenden Roadmap-Umfrage beteiligt haben. Das zeigt, dass Klimaschutz in der evangelischen Kirche breit verankert ist und als gemeinsame Aufgabe verstanden wird.
Der Bericht macht zugleich deutlich, dass Monitoring kein Selbstzweck ist. Zahlen und Bewertungen können Entwicklungen sichtbar machen und Entscheidungsprozesse unterstützen, sie ersetzen jedoch nicht das konkrete Handeln vor Ort. Gerade auch für kirchliche Verwaltungen, Gemeinden und Einrichtungen bietet der Klimabericht deshalb eine gute Grundlage, um eigene Schritte einzuordnen und weiterzuentwickeln.
Der Vergleich mit dem Vorjahresbericht zum Roadmap-Monitoring (Klimabericht 2024) zeigt in vielen Bereichen erfreuliche Fortschritte (Tabelle 1). Zahlreiche Bewertungen haben sich verbessert, neue Prozesse wurden angestoßen und bestehende Strukturen weiter professionalisiert. Klimaschutz wird zunehmend als Querschnittsaufgabe wahrgenommen, die viele Bereiche gleichermaßen betrifft.
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Gleichzeitig wird deutlich, dass die Ausgangslagen in den Landeskirchen unterschiedlich sind. Historisch gewachsene Strukturen, unterschiedliche Gebäudebestände und Rahmenbedingungen prägen den jeweiligen Stand der Umsetzung erheblich mit.
Der Gebäudebereich als zentrales Handlungsfeld
Ein besonderer Fokus des Berichts liegt auf dem Gebäudebereich. Kirchen, Pfarr- und Gemeindehäuser, Kindertagesstätten und Verwaltungsgebäude prägen das kirchliche Leben – sie sind zugleich der Bereich mit den höchsten Treibhausgasemissionen. Erstmals konnten hierfür auf einer einheitlichen methodischen Grundlage Daten aus 17 Landeskirchen ausgewertet werden. Die Hochrechnung zeigt, dass für das Jahr 2024 im Bereich Wärme und Strom jährlich rund 520.000 Tonnen CO₂-Äquivalente für die Gebäude der 20 Landeskirchen anfallen (Tabelle 2).
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Die Ergebnisse verdeutlichen, dass der Anteil fossiler Energieträger bei der Wärmeversorgung vieler kirchlicher Gebäude mit Anteilen zwischen 73% und 97% weiterhin hoch ist. Zugleich machen sie sichtbar, wo langfristige Potenziale liegen. Energetische Sanierungen, der Einsatz erneuerbarer Energien und eine strategische Weiterentwicklung des Gebäudebestands sind zentrale Bausteine, um Emissionen dauerhaft zu reduzieren und zugleich die Betriebskosten perspektivisch zu senken.
Datenqualität als Grundlage für wirksames Handeln
Der Klimabericht unterstreicht die Bedeutung verlässlicher Daten für eine zielgerichtete Klimaschutzarbeit. In vielen Landeskirchen wurden in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen, um Energieverbräuche systematisch zu erfassen. Die Qualität und Vollständigkeit dieser Daten sind jedoch noch recht unterschiedlich.
Im Mobilitätsbereich zeigt sich besonders deutlich, wie anspruchsvoll eine flächendeckende Erfassung ist. Dennoch konnten rund die Hälfte der Landeskirchen erstmals verwertbare Daten für die dienstliche Mobilität liefern (Tabelle 3). Das bedeutet aber auch, dass für die EKD insgesamt noch keine belastbare Gesamtsumme der Treibhausgasemissionen berechnet werden konnte. Der Bericht versteht diese Ergebnisse daher ausdrücklich als Zwischenstand und als Ermutigung, die Datenerfassung weiter auszubauen.
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Orientierung für die nächsten Jahre
Der EKD-Klimabericht 2025 formuliert Empfehlungen, die auf Kontinuität und Weiterentwicklung setzen. Der weitere Ausbau von Energie-Monitoring und -Controlling, die Arbeit an tragfähigen Konzepten für einen treibhausgasneutralen Gebäudebestand sowie die Stärkung der kirchlichen Klimaziele bilden dabei zentrale Punkte. Der Bericht zeigt hierbei deutlich: Die Aufgabe ist anspruchsvoll und umfangreich – doch die Landeskirchen und die EKD haben sich auf den Weg gemacht. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Mit den nun vorliegenden Daten und gewonnenen Erfahrungen sind jedoch weitere wichtige Grundlagen geschaffen worden, um dem Ziel der Treibhausgasneutralität, Schritt für Schritt näherzukommen. Der Klimabericht ist damit kein Abschluss, sondern ein Hilfsmittel für die Planung der nächsten Schritte auf dem gemeinsamen Weg zur Treibhausgasneutralität, der jährlich fortgeschrieben wird.
Der EKD-Klimabericht 2025 in seiner letztgültigen, fehlerkorrigierten Fassung vom 11.11.2025 ist hier abrufbar.
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